{"id":1040,"date":"2021-01-31T09:00:24","date_gmt":"2021-01-31T09:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/n.dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/?page_id=1040"},"modified":"2022-04-04T20:36:13","modified_gmt":"2022-04-04T20:36:13","slug":"auf-der-walz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/index.php\/auf-der-walz\/","title":{"rendered":"Auf der Walz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:20%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:17px\"><strong>Mettmenstetter erinnern sich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"\/index.php\/auf-der-walz\/\">Auf der Walz<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/erinnerung-an-die-dorflinde-im-oberdorf\/\">Erinnerung an die Dorflinde<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/hungerjahr-1816\/\">Hungerjahr 1816<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/spitznamen-uebernamen\/\">Spitznamen, \u00dcbernamen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/ueberlieferungen\/\">\u00dcberlieferungen, Anekdoten<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/konkubinat\/\" data-type=\"link\" data-id=\"\/index.php\/konkubinat\/\">Konkubinatsvergehen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/index.php\/katzenschmaus\/\">Katzenschmaus<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:60%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:30px\"><strong>Auf der Walz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"168\" height=\"219\" src=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Wettstein-Alfred-sen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2083 size-full\" srcset=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Wettstein-Alfred-sen.jpg 168w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Wettstein-Alfred-sen-92x120.jpg 92w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Alfred Wettstein, geb. 1911, R\u00f6ssliwirt und Metzger, Mett\u00admenstetten, erz\u00e4hlt von seinen Wanderjahren in der schwierigen Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutsch\u00adland, Frankreich und Italien: Quelle: \u201eWas ich noch von damals weiss Neujahrsblatt&nbsp;<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.ggaffoltern.ch\/\" target=\"_blank\">GGA Affoltern<\/a>&nbsp;2001\u201c<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p align=\"justify\">Wie es mein Vater getan hatte, wollte auch ich nach mei\u00adner Ausbildung ebenfalls auf die Walz gehen. Die zweieinhalbj\u00e4hrige Metzgerlehre hatte ich in Wald im Z\u00fcrcher Oberland gemacht. Danach, mit 18 Jahren, ging ich nach Schaffhausen. Im Januar\/Februar 1929 war es sehr kalt, 28-30 Grad unter Null, eine strenge Zeit. Im Fr\u00fchling, als die V\u00f6gel pfiffen, hielt ich es nicht mehr aus und sagte mir: \u201eSo und jetzt haut de Wettstei ab\u201c. Ich sagte zu Hause gar nichts, schickte meinen Koffer heim und behielt nur ein kleines K\u00f6fferli mit dem Notwendigsten bei mir. Mit dem Zug fuhr ich bis Rottweil, dann wurde marschiert bis Karlsruhe. Ich habe Arbeit gesucht, aber keine gefunden. Es gab halt bereits sehr viele Arbeitslose. Die Arbeitsuchenden mussten sich in einer Reihe aufstel\u00adlen und wurden gemustert wie Vieh. Die Hitlerjugend war bereits aktiv zu jener Zeit, und die Metzger getrauten sich nicht mehr, Fremde, vor allem aber Ausl\u00e4nder, einzu\u00adstellen.\n<\/p><p align=\"justify\">\nDann gings weiter nach Strassburg, wo ich auf dem Arbeitsamt nachfragte: Ein Polizist dr\u00fcckte mir einen Stempel in den Pass mit einem franz\u00f6sischen Vermerk, den ich nicht verstand, worauf er ihn mir \u00fcbersetzte: \u201eDarf in Frankreich keine bezahlte Stelle annehmen\u201c. Trotzdem ging ich um Arbeit fragen, aber immer ohne Erfolg. Ich schlenderte in der Stadt herum, kam an einem Schlacht\u00adhof vorbei und fragte auch dort nach Arbeit. \u201eJa doch, du kannst schon hier arbeiten\u201c, wurde mir erwidert aber das war ein j\u00fcdischer Schlachthof und hier wurde geschach\u00adtet! Zu Beginn merkte ich das gar nicht. Sch\u00e4chten ist in der Schweiz immer noch schwer verboten. Es hat mir grad gegraust wie hier gemetzget wurde. Bei uns ist man sich gewohnt, das Tier zu schiessen oder zu stechen, aber das Vorgehen, wie ich es hier mit ansehen musste, war nichts f\u00fcr mich. Ich blieb nur zwei Tage.\n<\/p><p align=\"justify\">\nDann ging ich an den Rheinkanal, half Kohlenschiffe mit Seilen ziehen. Arbeitslose konnten gegen ein Entgelt von einem Franken und einer Suppe pro Tag diese schwere Arbeit machen. Das verleidete mir aber bald und ich ging weiter. Ich kam an einer Kaserne vorbei, dort klopfte mir einer auf die Achsel und erkundigte sich, ob ich Freude habe am Milit\u00e4r, was ich bejahte. \u201eDu bischt Schwitzger, du bischt Schwitzger, nicht wahr\u201c, rief er in seinem els\u00e4s sischen Dialekt, \u201eDu bischt Metzger, g\u00e4ll\u201c. Irgendwie hatteer herausgefunden, dass ich Metzger war. \u201eKomm ins Milit\u00e4r, in f\u00fcnf Jahren bist du bereits Korporal\u201c, aber darauf wollte ich mich nicht einlassen.\n<\/p><p align=\"justify\">\nIch kam fast ohne Geld nach Basel. Es war gerade die Mustermesse. Auch dort ging ich aufs Arbeitsamt, und sie sagten mir, dass Bell eben sechs Burschen einstelle, aber bis ich kam, waren alle Stellen vergeben. Ich schlich an der Mustermesse etwas um die St\u00e4nde herum, hatte Hun\u00adger, degustierte hier eine Suppe, dort etwas Salami. So hatte ich wenigstens wieder etwas gegessen. Das Geld reichte nur noch zum \u00dcbernachten, dann war der Gelds\u00e4ckel leer.\n<\/p><p align=\"justify\">\nDann traf ich wieder einen Mann, auch einen Metzger, der mich fragte, ob ich eine Stelle suche. \u201eGeh nach Birsfelden, dort ist noch eine Stelle frei\u201c. Er sei dort gewesen und der Meister habe gesagt er sei zu alt, er stelle ihn nicht mehr ein. So marschierte ich nach Birsfelden. Es war ein langer Weg, aber ich hatte ja kein Geld mehr f\u00fcr das Tram. Ich meldete mich bei diesem Meister und sagte ihm, dass ich einen Berner angetroffen h\u00e4tte, der offenbar f\u00fcr diese Stelle zu alt sei. Der Meister aber kl\u00e4rte mich auf:  \u201eNein, nein das ist nicht deswegen, sondern als ich ihm alles zeigte, ging er hinter mir her immer mit dem Stumpen im Mund. Das hat mir nicht gepasst, darum habe ich ihn nicht eingestellt\u201c. Ich durfte bleiben und sofort mit der Arbeit beginnen und auch dort schlafen. Der Lohn betrug 120 Franken pro Monat, so dass doch manchmal am Abend ein Bierchen drin lag. Dort blieb ich bis in den Sommer hinein, dann ging ich heim nach Mettmenstetten. Anschliessend arbeitete ich kurze Zeit im Wallis.<\/p>\n\n\n\n<p align=\"justify\">Mit einem Kollegen ging ich dann erneut auf die Walz, diesmal nach Marseille und weiter nach Monaco. Auf der Hauptstrasse vor Monaco wurden wir von zwei Polizisten aufgehalten, die unsere Ausweise kontrollieren und uns einsperren wollten. Zum Gl\u00fcck hatte ich noch eine F\u00fcnfzig\u00adfrankennote, die ich aus den Hosen zog. \u201eAh, vous etes riche, bon voyage\u201c sagten sie darauf, klopften uns auf die Schultern und verabschiedeten sich. Es ging nach Genua und weiter nach Mailand. Geld hatten wir nicht mehr viel, schliefen unter den B\u00e4umen in den Parks.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"957\" height=\"683\" src=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Papierhaendler-Otto-Buehler-Mailand-1928.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3223 size-full\" srcset=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Papierhaendler-Otto-Buehler-Mailand-1928.jpg 957w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Papierhaendler-Otto-Buehler-Mailand-1928-300x214.jpg 300w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Papierhaendler-Otto-Buehler-Mailand-1928-150x107.jpg 150w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Papierhaendler-Otto-Buehler-Mailand-1928-768x548.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 957px) 100vw, 957px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">In Mailand besuchten wir den im Papierhandel t\u00e4tigen B\u00fchler, einen alten Mettmenstetter. B\u00fchler war Pr\u00e4sident des Schweizer Vereins in Mailand. Er kam damals fast jedes Jahr nach Mettmenstetten mit seinem grossen sch\u00f6nen Auto. Als ich ihm erkl\u00e4rte, dass ich aus Mettmenstetten sei, war er hoch erfreut.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p align=\"justify\">\nEr fragte uns, wo wir \u00fcberall gewesen seien und wo wir \u00fcbernachtet h\u00e4tten. Wir getrauten uns nicht zu sagen, dass wir unter freiem Himmel logierten. Irgendwo auf dem Weg hatten wir mal ein Hotel \u00abZ\u00fcrich\u00bb gesehen und das erw\u00e4hnten wir nun. Oh ja, der Hotelier sei ihm bekannt, antwortete er. H\u00e4tten wir doch zu erkennen gegeben, wie mausarm wir waren, er h\u00e4tte sich sicher erkenntlich gezeigt. Mit diesem Bluff aber hatten wir nichts erreicht und nun auch keinen Franken mehr im Sack.\n<\/p><p align=\"justify\">\nZur\u00fcckgekehrt trat ich im August 1930 eine neue Steile in Gattikon an, wo ich bis zur Rekrutenschule 1931 blieb. Nach dem Milit\u00e4r \u00fcbernahm ich den Gasthof <r\u00f6ssli> mit Metzgerei in Mettmenstetten von meinem Vater. Dem erw\u00e4hnten Fabrikanten B\u00fchler konnte ich jedes Jahr, einmal im Herbst, Blutw\u00fcrste nach Mailand schicken. Ich brachte die heissen Blutw\u00fcrste in einer mit Heu ausgeklei\u00addeten Kiste auf die Bahn und schickte sie nach Chiasso, dort holte er sie ab und die W\u00fcrste wurden noch am glei\u00adchen Abend in Mailand verspiesen.\u00bb<\/r\u00f6ssli><\/p>\n\n\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der Walz Alfred Wettstein, geb. 1911, R\u00f6ssliwirt und Metzger, Mett\u00admenstetten, erz\u00e4hlt von seinen Wanderjahren in der schwierigen Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutsch\u00adland, Frankreich und Italien: Quelle: \u201eWas ich noch von damals weiss Neujahrsblatt&nbsp;GGA Affoltern&nbsp;2001\u201c Wie es mein Vater getan hatte, wollte auch ich nach mei\u00adner Ausbildung ebenfalls auf die Walz gehen. 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