{"id":1060,"date":"2021-01-31T10:43:43","date_gmt":"2021-01-31T10:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/n.dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/?page_id=1060"},"modified":"2022-05-28T14:23:43","modified_gmt":"2022-05-28T14:23:43","slug":"erinnerung-an-die-dorflinde-im-oberdorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/index.php\/erinnerung-an-die-dorflinde-im-oberdorf\/","title":{"rendered":"Erinnerung an die Dorflinde im Oberdorf"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-7387b849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:20%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:17px\"><strong>Mettmenstetter erinnern sich<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"\/index.php\/auf-der-walz\/\">Auf der Walz<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/erinnerung-an-die-dorflinde-im-oberdorf\/\">Erinnerung an die Dorflinde<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/hungerjahr-1816\/\">Hungerjahr 1816<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/spitznamen-uebernamen\/\">Spitznamen, \u00dcbernamen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/ueberlieferungen\/\">\u00dcberlieferungen, Anekdoten<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"\/index.php\/konkubinat\/\" data-type=\"link\" data-id=\"\/index.php\/konkubinat\/\">Konkubinatsvergehen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/index.php\/katzenschmaus\/\">Katzenschmaus<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:60%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\" style=\"font-size:30px\"><strong>Erinnerungen an die Dorflinde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:15% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"753\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-753x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1064 size-full\" srcset=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-753x1024.jpg 753w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-221x300.jpg 221w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-88x120.jpg 88w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-768x1044.jpg 768w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister-1130x1536.jpg 1130w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/147-Adolf-Baur-Meili-Schlossermeister.jpg 1416w\" sizes=\"auto, (max-width: 753px) 100vw, 753px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\"><em>Von D\u00f6lf Baur 1994 im Alter von 94 Jahren <strong>aus Sicht der Dorflinde <\/strong>geschrieben<strong>.<\/strong><\/em><br><br>Anmerkung IG Dorfgeschichte: <em>Die Sanierung 1994 half leider nichts, die 250j\u00e4hrige Linde musste 1997 gef\u00e4llt und durch einen neuen Baum ersetzt werden.<\/em><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p align=\"justify\">An meine Freunde! Wisst Ihr noch, Ihr lieben Mettmenstetter und speziell Ihr Oberd\u00f6rfler, dass ich auch noch da bin? Fast h\u00e4tte geglaubt, Ihr h\u00e4ttet mich vergessen! Aber oh\u00e4 l\u00e4tz!  Dieses Jahr, als ich mein Herbstkleid fallen liess, um meinen Winterschlaf anzutreten &#8211; ich bin bereits am Einnicken gewesen &#8211; kommen ein paar freche Gesellen und hantieren ziemlich grob an meinem alten Schuhwerk herum. Einer tritt mir auf meine grosse Zehe, die ich schon l\u00e4ngst durch ein in meinem Wachstums\u00fcbermut durch das steinharte spr\u00f6de Leder gestreckt hatte und l\u00e4sst mich im Schmerz j\u00e4h auffahren. Es ist eine dreiste Anmassung, mich alten Gesellen noch so zu plagen. Aber diese Ruhest\u00f6rer scheinen doch ernstliche Absichten mit mir zu haben. Jahrelang habe ich hier bei Sturm und Sonnenschein gestanden und nun ist wohl mein Sterbest\u00fcndchen gekommen? Aber eine Axt oder gar ein Waldteufel haben sie ausser dem Brecheisen und Bickel nicht mitgenommen, sie fehlen bei den Qu\u00e4lwerkzeugen. Was wollen denn die Plaggeister mit mir? Aber so ungern hab ich\u2018s doch nicht &#8211; nach und nach wohlte es mir um meine F\u00fcsse. Oh, wie ist das sch\u00f6n, wieder einmal aus dem engen Schuhwerk heraus zu kommen und so recht verluften zu k\u00f6nnen. Die Wohligkeit l\u00fcftet meine Gedanken.  \n\t<\/p><p align=\"justify\">\nEigentlich habe ich &#8211; wenn ich so zur\u00fcckdenke, es werden ja schon anderthalb Hundert J\u00e4hrchen sein &#8211; bei meinem Dasein im Oberdorf, im genannten Vorder-Rick viel gesehen und erlebt. Fr\u00fcher um die Jahrhundertwende waren es noch gem\u00fctliche Zeiten. Sehe ich noch den &#8222;Ch\u00e4ser Hansruedi&#8220; in seinem hohen Alter mit seiner Zipfelkappe auf meinem dazumal noch sch\u00f6nen Schuhwerk hocken und mit ein paar Buben in witzigem Humor den Fr\u00fchling betrachten. Hatte eben einen neuen gr\u00fcnen Anzug erhalten und wahrscheinlich aus diesem Grunde &#8211; es m\u00f6gen auch andere gewesen sein &#8211; vermochte ich die kleinen &#8222;Oberd\u00f6rfler-Lausbuben&#8220; an mich zu locken, in die Schatten, die meine Rockzipfel warfen. Kindergruppen gab\u2018s, welche eifrig um die Wette spickten, bis die Mutter um die Scheunenecke schwirrte und etwa einen davon heim dirigierte. Aber Bubenbeine sind schneller und ehe M\u00fctterchen nach Hause mag, flitzt der Gesuchte um das Spritzenh\u00e4uschen.  \n\t<\/p><p align=\"justify\">\nIn einer nahen Schmiede zog der \u201ePure-Schang&#8220; den alten Blasebalg, dass er quitschte, oder er schlug so kr\u00e4ftig auf das warme Eisen, dass mir stillem Tr\u00e4umer das Schlafen von selber ausging. Immer ein emsiges V\u00f6lklein um mich herum. Wackere Bauersleute haben da ihr Dasein gefristet. Einer meiner N\u00e4chsten &#8211; ich mag mich noch gut erinnern &#8211; durfte alle Morgen und Abende zufrieden mit dem Pfifeli im Mund sein Milchkessi zur H\u00fctte tragen. Wenn der &#8222;J\u00f6sli-Heiri&#8220; mit dem Rebsch\u00e4ubli unterm Arm und dem schwarzen K\u00e4ppii auf den grauen Seidenhaaren seinem Obdach zusteuerte, war es alle-mal Zeit zum Essen. Es gab auch Tage in der Woche, wo ein beh\u00e4biger strammer Mann &#8211; es war der &#8220; Botjokebe-Albert&#8220; durch das Wegli beim Schang und Glaser Berger herab kam, um seine Heimat in wichtigen Gesch\u00e4ften mit W\u00fcrde zu vertreten. Selbst ein fleissiger Sattler, den ich letzthin ungern ziehen sah, tat sich t\u00fcchtig mit dem Lederzeug um. \n\t<\/p><p align=\"justify\">\nDer alte &#8220; Berli&#8220;, der sein n\u00f6tiges Wasser noch beim nahen Dorfbrunnen &#8211; der leider glaube ich zu den Unterd\u00f6rflern desertiert ist &#8211; holen musste, gab den Kindern das vertraute &#8222;Danki Gott&#8220;, wenn sie ihm h\u00f6flich &#8222;das Zeit w\u00fcnschten&#8220; oder etwa den Kessel tragen halfen. Ja, das waren noch Zeiten, &#8211; ist es heute noch so -? \t\n<\/p><p align=\"justify\">\nOh, ich g\u00e4be viel darum, wenn ich dem \u201dT\u00e4tsch-Schiessen&#8220; noch einmal zusehen d\u00fcrfte. Aber solches kommt nicht mehrl  Aber es war halt doch sch\u00f6n, meint Ihr nicht auch, Ihr Oberd\u00f6rfler, die Ihr schon graue Haare tragt und schon als kleine B\u00fcrger meine starken Beine umsprangen. Ich bin ein Tr\u00e4umer und bin in Gedanken in liebe alte Zeiten zur\u00fcckgewandert, was man im Alter gerne tut. Inzwischen bin ich den Zweck des Hantierens der Maurergesellen bewusst geworden. Bis ich meine Tr\u00e4ume gesponnen habe, haben sie mir bei wackerer begeisterter Arbeit ein neues Schuhwerk vollendet und der Zehe verst\u00e4ndnisvoll wieder ein Loch reserviert, dass sie sich ungehindert darin bewegen kann. Es fehlen nur noch die Schuhb\u00e4ndel. Hoffentlich haben sie am Gotthard das Rohmaterial nicht schon rationiert, dass dem neuen Kleidungsst\u00fcck die sch\u00fctzende Krone aufgesetzt werden kann. Das war wieder einmal eine, feine Idee, hat es befohlen wer will. Es ist einfach nobel, im hohen Alter noch so sch\u00f6ne Schuhe zu erhalten und wenn es auch ein M\u00e4uerchen ist. \n\t<\/p><p align=\"justify\"> \nHoffentlich darf ich, Euch zum Dank, so Gott will, noch recht viele Jahre, bei guter Gesundheit Lindenbluest schenken und dem heimkehrenden durstigen Heuer den verdienten Schatten spenden. Habt Dank f\u00fcr Eure liebe Aufmerksamkeit, Eure alte Dorflinde.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:20%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Alt si.<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">O alt si, o alt si, wer weiss, was\u2019s bid\u00fct ? <br>Nu churzi Schrittli und langi Zit. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vum Jaste dur&#8217;s L\u00e4be gar m\u00fcedi Bei, <br>Es H\u00e4mpfeli Sorge-n- und vil ellei. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es Gspr\u00e4ng um ein ume, es l\u00fc\u00fctet im Ohr, <br>Wie chund eim alles so n\u00fctelig vorI <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">En Schleier um d&#8217;Auge, es dimberet scho, <br>Z\u00e4ntume wott\u2019s b\u00f6se, magsch niene meh gcho. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chum s\u00e4, i h\u00e4-n-\u00f6ppis, das git wieder Muet I <br>Es Aerfeli Liebi, wo Wunder tuet.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:57px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure data-spectra-id=\"spectra-e14a128a-a99c-49ef-8984-7ce42dfe4587\" class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"856\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_-856x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1071\" srcset=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_-856x1024.jpg 856w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_-251x300.jpg 251w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_-100x120.jpg 100w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_-768x919.jpg 768w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Wissenbacherstrasse_.jpg 903w\" sizes=\"auto, (max-width: 856px) 100vw, 856px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure data-spectra-id=\"spectra-6084ada4-1852-42c6-a8aa-c16ff27d852e\" class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"731\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-731x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1072\" srcset=\"https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-731x1024.jpg 731w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-214x300.jpg 214w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-86x120.jpg 86w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-768x1076.jpg 768w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-1096x1536.jpg 1096w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-1462x2048.jpg 1462w, https:\/\/dorfgeschichte-mettmenstetten.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Linde-Oberdorf-gesetzt-1997-scaled.jpg 1827w\" sizes=\"auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnerungen an die Dorflinde Von D\u00f6lf Baur 1994 im Alter von 94 Jahren aus Sicht der Dorflinde geschrieben. 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