Bauten mit Tradition
Unsere alten Feuerwehrhäuschen
Autor: Willi Nievergelt
Einmal mehr waren Beat Furrer und ich unterwegs auf Gemeindegebiet, um sehenswerte Gebäude genauer anzuschauen. Dieses Mal galt unser Interesse den Spritzen-/ Feuerwehrhäuschen aus früheren Zeiten und wir konnten dank freundlicher Unterstützung von Stefan Schmid (Leiter Werkdienst) in diese hineinschauen. Was wir sahen, regte unsere Fantasie an.
«Hilfe! Es brennt.» – Die Feuerwehr Ende 19. Jahrhundert
Nehmen wir an, in einer Scheune im Oberdorf beginnt es zu brennen. Der Knecht bemerkt den Brand und rennt von Haus zu Haus, um die Männer der Ortsfeuerwehr zu wecken. Diese eilen zum Spritzenhäuschen, wo die neue Handdruckspritze auf Rädern untergebracht ist. Sie spannen zwei Pferde vor dieselbe und fahren zur Brandstelle. Aus einem nahen Bach pumpen Feuerwehrleute Wasser in den Bauch der Handspritzpumpe und über einen anderen Schlauch versuchen weitere Männer, das Feuer zu löschen. Das alles nur mit Muskelkraft! Viele Feuerwehrmänner sind nötig. Ein Übergreifen des Feuers auf das Bauernhaus kann gerade noch verhindert werden!
Etwa so muss man sich eine Löschaktion Ende des 19. Jahrhunderts vorstellen. Eine wie oben beschriebene Handspritzpumpe steht heute noch im Spritzenhäuschen an der Wissenbachstrasse/Albisstrasse. Es wurde 1860 errichtet; einige solcher Gebäude wurden um diese Zeit gebaut – einige auch früher. Ebenfalls sehen wir einen alten Schlauchkarren, der von Hand gezogen wurde, denn innen gummierte und somit dichte Schläuche gab es erst ab Mitte 19. Jahrhundert.
Eine ehemalige Armeeküche und der Gemeindeumgang
Auch untergebracht in diesem Häuschen ist eine etwa 100jährige mobile, von zwei Pferden gezogene Infanterie-Küche, welche die Gemeinde von Noldi und Ruedi Gallmann geschenkt erhielt. Willi Stoos erinnert sich gut, wie sie jeweils beim traditionellen Gemeindeumgang zum Einsatz kam. Würste, aber auch Suppe und Spatz wurden bei speziellen Anlässen darin zubereitet. Der Schlusspunkt der Gemeindeumgänge war im Paradies, wo jeweils eine Linde gepflanzt wurde; heute sind es stattliche Bäume.


Die Gemeindeumgänge fanden 1960 bis 1988 alle vier Jahre statt und wurden in drei Gruppen (genannt Rotten) mit Fahnen, Musik und Vorderladern durchgeführt. Eingeführt wurde dieses Volksfest nach basel-landschäftler Vorbild von Robert Nägelin, dem neuen Verwalter vom Männerheim Rossau, wie die Institution damals hiess. Sein Sohn Hans führte sowohl die Verwaltung als auch die Gemeindeumgänge weiter. Ursprünglich hatten diese Grenzbegehungen den Sinn, die Grenzsteine zu kontrollieren und zu schauen, ob die Nachbarn diese mutwillig versetzt hätten. Dann entwickelte sich diese Tradition zu einem Volksfest. In Mettmenstetten war es von Beginn her ein solches.
Schliesslich kann im Feuerwehrhäuschen noch ein kleines, dreirädriges Motorfahrzeug mit Ladebühne aus den 1950er Jahren bewundert werden. Seine Kupplung ist aus Leder gefertigt und es ist das erste Motorfahrzeug, das die Gemeinde angeschafft hatte. Es wird vom Werkdienst liebevoll gepflegt und fahrtüchtig gehalten. Hergestellt wurde der «Wrigley» damals von der englischen Firma Wessex Industries Ltd. in Poole, eine malerische Hafenstadt in Südengland, die ich von mehreren Besuchen in schöner Erinnerung habe.
Was passiert bei Knopfdruck?
Insgesamt gibt es sieben oder acht solche Gebäude in Mettmenstetten, aber etwa die Hälfte ist inzwischen an Private verkauft worden, und alle möglichen Gegenstände werden darin aufbewahrt. Dasjenige von Herferswil stand bei unserem Besuch gerade leer, lediglich an einer Wand konnten noch ein paar alte Strahlrohre der Feuerwehr bewundert werden. An einer Aussenwand ist ein Feuermelde-Knopf auszumachen. Auf die Frage, was passiert, wenn man diesen drückt, meinte Stefan Schmid lakonisch: «Nichts!». Früher wurde durch Knopfdruck ein Horn auf dem Dach aktiviert, aber das Ganze ist nicht mehr in Betrieb. Heute gibt es andere, effizientere Alarmvorrichtungen.
Diese Spritzenhäuschen verteilen sich sinngemäss auf das gesamte Gemeindegebiet.Beim Friedhof steht zu guter Letzt auch ein solches Gebäude, das durch die weissbemalten Backsteine und die grünen Fensterläden auffällt. Früher wurde darin der alte Leichenwagen aufbewahrt. Damit endete unser Rundgang.
